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Herbsttreffen 2014 - Sektion Ostschweiz

25.10.2014

Herbstreffen 2014 „Mosterei Möhl“

Am 25. Oktober begrüsst Ruedi Müller stellvertretend für Andreas Vetsch 33 interessierte SAAB-Freunde bei der Mosterei Möhl in Roggwil TG.

Schon der erste Blick vom Parkplatz in die Behälter, die der Obstbauer mit dem Äpfel und Birnen zum Wägen füllt, sind leer.

Die Obsternte 2014 war ertragreich und begann Ende September - Anfang Oktober. In dieser Zeit wird in Schichten Tag und Nacht gearbeitet. Am Samstagmorgen werden jeweils die Anlagen und Hallen geputzt und dann sofort wieder weiter gearbeitet.

Aus diesem Grund konnte der Betriebsablauf wohl gezeigt werden, aber leider ohne Obst.

Die Mosterei Möhl (1895 gegründet) bezieht zwei Drittel ihres Mostobstes direkt von Landwirten aus der näheren Umgebung. Ein Drittel wird von Obsthändlern im Umkreis von 40 Kilometern mit Lastwagen herbeigeführt. Pro Jahr werden bei Möhl zwischen 25’000 und 40’000 Tonnen Mostobst gepresst, je nach Grösse der Ernte. Unterschiedliche Jahre müssen mit sogenannten Erntereserven ausgeglichen werden. Mittlerweile wird der Betrieb in der 4. Generation geführt. Nach dem Wägen und Waschen gelangt das Obst in die Obstpresse. Mit einer modernen Presse werden pro Stunde 10 Tonnen Äpfel oder 15 Tonnen Birnen gepresst. 100 kg Obst braucht es, um zirka 78 Liter Saft zu gewinnen. Die Presse besteht aus einem horizontalen, sich um die eigene Achse drehenden Zylinder. Die beiden Abschlussplatten sind mit einigen Hundert Drainage-Strängen verbunden. In einem horizontalen Zylinder sind 350 Drainage-Stränge mit Nylongeweben eingeschraubt. Der Saft muss an den Oberflächen dieser Stränge in Längsrillen den Press-Zylinder verlassen und gelangt in den Keller. Beim Öffnen der Presse, nach zwei Stunden Presszeit, entleert sich der Zylinder vom verbleibenden Obst-Trester. Der Zuckergehalt wird mit einer Öchslewaage gemessen. Weitere Qualitätsmerkmale sind der Aromagehalt und das Zucker/Säure-Verhältnis.

Es gibt verschiedenen Varianten, den Rohsaft für die Weiterverarbeitung oder den Verkauf vorzubereiten. 

Der frisch gepresste Saft wird kurz pasteurisiert und als frischer «Saft ab Presse» in Flaschen abgefüllt. Der frisch gepresste Saft wird mit Reinhefe zu naturtrübem Apfelwein vergoren. Der frisch gepresste Saft wird kurz pasteurisiert und anschliessend unter Zugabe von Kohlensäure in Drucktanks gepumpt. Bei 7 atü Druck bleibt er unter Ausschuss von Sauerstoff süss erhalten. Dem frisch gepressten Saft wird sofort das Aroma entzogen und anschliessend ein grosser Teil des Wassers abgedampft. Das Konzentrat wird in Tanks gelagert.

Der Trester, (ausgepresstes Fruchtfleisch) wird direkt ab Presse an die Landwirte als Direkt- oder Silofutter verkauft. Ein Teil des Tresters wir getrocknet wird als Futtermittel ebenfalls an Landwirte, aber auch an Schweinezüchter und Futtermühlen verkauft. 

Die Teilnehmer durften von diesem Trockentrester degustieren, der als preiswerter Ballaststoff gepriesen wird und auch als Heilmittel bei zu hohem Cholesterinwert genutzt werden kann. Der grösste Teil des gepressten Saftes wird konzentriert. Die Aromastoffe werden abgedampft und separat gelagert. Der übrig gebliebene Saft wird auf 1/6 seines ursprünglichen Gewichts unter Vakuum eingedampft. So gehen möglichst wenig Vitamine verloren. Das Konzentrat wird mit 71 Gewichtsprozent Fruchtzuckergehalt in grossen Tanks ohne Konservierungsmittel eingelagert. Die Kellertemparatur liegt bei 7°C.

So kann der Apfelsaft je nach Bestellungsaufträgen während des ganzen Jahres frisch produziert werden. Ein Teil wird als „naturtrüber Apfelsaft“ abgefüllt. Ein anderer Teil wird in diesen Tanks ausgeflockt (geschönt) und anschliessend auf dem „Kieselgur-Filter“ filtriert und als klarer Apfelsaft abgefüllt.

Die Qualitätskontrollen erfolgen durch die menschlichen Sinnesorgane. Das Auge stellt die „Farbe, Trübheit oder Klarheit“, die Nase den „Geruch“ und der Gaumen den „Geschmack“ und das „Fruchtzucker/ Säuregehalt-Verhältnis“ fest.

In 26 Holzfässern mit bis zu 20’000 Liter Inhalt wird der natürliche „Saft vom Fass“ 3 Monate gelagert, dann mit 30% Apfelsaft gemischt und in Flaschen abgefüllt. Diese Fässer können bei einwandfreier Pflege und guter Reinigung bis zu 80 Jahre erhalten werden.

Der Süssmost ab der Presse kann auch pasteurisiert und unter Kohlensäure-Druck in Drucktanks gelagert werden, da so beim Konzentrieren keine Gärung erfolgen kann. Dieses Lagerverfahren wird bei Bio-Süssmost angewendet.

Auf dem letzten Teil des Rundgangs führte durch die Wasch und Abfüllanlagen. 10’000 Bügelflaschen pro Stunde können in dieser modernen Waschmaschine gereinigt werden. Mehrwegflaschen sind ausserordentlich ökologisch, da sie bis zu 50 Mal gebraucht werden können. Die Flaschen werden auf Sauberkeit und allfällige Fremdkörper geprüft. Auch Flaschen mit defekten Mündungen werden automatisch ausgeschieden.

Die leeren Flaschen werden mit Saft gefüllt, dem kurz vorher etwas Kohlensäure («Blöterli») zugegeben wurde. Es können vier verschiedene Verschlussarten verwendet werden.

20’000 PET-Flaschen 0,5 l können pro Stunde aus sogenannten Plastik-Rohlingen in 12 Formen aufgeblasen werden. Eine 0,5 l Flasche wiegt 28 Gramm. Die abgekühlten PET-Flaschen werden auf 60 Füllstellen mit 10°C kaltem SHORLEY oder SCHWEIZER APFELSAFT unter Kohlensäure-Zugabe gefüllt und sofort verschlossen.

Die verschlossenen PET-Flaschen werden in einem Berieselungs-Pasteur langsam auf 64°C erhitzt und wieder abgekühlt. So kann keine Gärung entstehen.

Danach werden pro Stunde bis zu 25’000 Flaschen auf einer hochmodernen Maschine mit Rundum-Folien etikettiert. Zu guter Letzt kommen aus der 18m langen Schrumpf-Verpackungsmaschine die fertigen Trays oder Six-Pack heraus und werden noch palettiert und mit eigenen Lastwagen verteilt.

Zum Betrieb der Mosterei Möhl gehört ebenfalls ein Museum und eine Hafenbrennerei. 

Als regionale Mosterei in einem Gebiet mit hohem Apfelsaft-Konsum hat sich Möhl auf Spezialitäten konzentriert, z.B. Saft vom Fass (mit und ohne Alkohol), Süssmost aus biologisch angebautem Obst, Swizly und Shorley.

Nach dem 2 ½ stündigen, eindrucksvollen Rundgang können die verschiedenen Produkte degustiert werden und als Erinnerung erhalten alle Teilnehmer einen Steingut-Mostbecher. Nachdem im Laden noch eingekauft wurde führt Gabor Nagy die Gruppe im Konvoi nach Arbon in die „Wunderbar“. Dort gibt es ein schmackhaftes Nachtessen genossen und wie immer interessante Gespräche. Gegen 20.00Uhr verabschiedet sich die muntere Schar und fährt mit vielen Eindrücken nach Hause.

Herzlichen Dank an Gabor fürs Organisieren.