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HV 2015 - Sektion Ostschweiz

Edgar Vetsch 10.01.2015

Hauptversammlung und Museumsbesuch in Schaffhausen vom 10.1. 2015

Am Samstagnachmittag, eine Viertelstunde vor zwei, trafen sich 21 Teilnehmer und Teilnehmrinnen bei lauen Frühlingstemperaturen beim Museum Zeughaus in Schaffhausen. Der Vorstand hatte zur Hauptversammlung eingeladen, verbunden mit dem Besuch einer Ausstellung zu den Jubiläen der Mobilmachung der Schweizer Armee von 1914 und 1939 und nach der HV einer Schau der Mechanisierung der Armee.
Begrüsst wurde die Schar von einem der Förderer des Museums, Herrn Zimmermann, Hauptmann der Artillerie a.D. und ehemaliger Professor für Geschichte und Latein an der Kantonsschule Schaffhausen. Seine Vorliebe für die Kanonen, Haubitzen und Mörser war gleich zu Beginn der Führung zu spüren. Manch neue Kenntnisse konnte man erfahren z.B. wo liegt der Unterschied zwischen einem Mörser, einem Minenwerfer, einer Haubitze und einer Kanone, Vorderlader, Glattrohrkanone, Kanonenrohr mit Zügen usw... Alles zu erfahren im Museum Zeughaus. Mit Filmausschnitten wurde der mühsame Stellungsbezug eines Geschützes aus dem 1. Weltkrieg gezeigt, Kanonen welche von sechs Pferden gezogen werden mussten. Auch alte Kanonen aus dem 15.Jahrundert waren zu bestaunen. Der Ersatz der Pferde durch Zugfahrzeuge aus inländischer und ausländischer Produktion ist auch dokumentiert. Interessante Filmaufnahmen der Mobilmachung von 1914, welche im Rückblick sehr gut abgelaufen ist und etwa 250 tausend Mann betroffen hatte, ergänzen die Ausstellung mit den alten Uniformen und Waffen und Gegenständen. Aufgezeigt werden aber auch die desolaten Zustände in den Bereichen der veralteten Bewaffnung, dem Drill an Stelle von Ausbildung und der kaum vorhandenen Sanität, wie auch den grossen Problemen, welche für die Zivilgesellschaft auftraten. Für die Armeeangehörigen bestand keine Erwerbsersatzversicherung, der Sold war sehr gering, Nahrunsmittel und Rohstoffe fehlten, die Wirtschaft brach zusammen. Die sozialen Misstände führten dann nach Kriegsende zum Generalstreik, welcher eine neue Teilmobilmachung der Armee mit sich brachte. In einer Zeitlinie werden die Einsätze der Armee aufgezeigt, bei der festzustellen ist, dass der Einsatz um 1918 bei weitem nicht der erste gegen die eigene Bevölkerung war, wohl aber der politisch folgenschwerste. Darauf wird gezeigt wie die Armee 1939 in die Mobilmachung für den zweiten Weltkrieg antrat, mangelhaft ausgebildet und bewaffnet, ohne taugliche Panzerabwehr und einer minimalen Luftwaffe mit unterlegenen Flugzeugen. Es sind Karten zum Reduitbezug zu sehen und die Gedanken, die zu diesem Entschluss geführt hatten, aufgezeigt. Nicht schlecht staunt man, dass z.B. die Geschützrohre zum Ausbau unserer Alpenfestung von Krupp aus Deutschalnd stammten und das einige Zeit nach dem Kriegsausbruch... Die Erneuerung und Modernisierung wird an Hand der Artillerie aufgezeigt vom Felkommandoposten bis zum M113 Kommandopanzer. Ein Angestellter des Zeughauses hatte eine historische Sammlung aller persönlichen Gegenstände und Waffen zusammengestellt und jeder einmal dienstpflichtige Teilnehmer konnte dort seinen Jahrgang Sackmesser oder Polis usw. bestaunen. Unser Führer zeigte uns auch sein persönliches Sammelgebiet: Blasinstrumente der Militärmusik! Gibt es ausser in Schaffhausen wohl kaum zu sehen! Langsam stieg trotz der interressanten Ausstellung und der sehr kundigen Führung die Kälte, welche im ungeheizten Museum herrschte, in die Glieder auf und es war für manche ein Erlösung, dass die Pause mit der HV im geheizten Lokal des Museums begann. Mit einem heissen Kaffe oder Tee konnte man sich zusätzlich etwas erwärmen.
Unter der Leitung des neuen Präsidenten waren dann die traktandierten Geschäfte bald zügig abgewickelt.
Nach der Versammlung verschob sich die ganze Gruppe mit dem Führer ins Mühletal zur ehemaligen Stahlgiesserei der Georg Fischer AG (G+F). Hier staunten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen über das riesige Gelände über welchem Bauvisiere im Wind schwankten. Die genannte Firma hat in der Gegend von Schaffhausen in ihren besten Zeiten gut 6000 Leute beschäftigt, heute noch etwa einen Zehntel davon. Was sich nach dem Öffnen des Tores den Augen bot ist schwer zu beschreiben. In der ersten Halle die gesamte Entwicklung der Artilleriegeschütze, der entsprechenden Zugfahrzeuge, die Entwicklung der Motorisierung der Armee generell. Da stehen sie, die Saurer Zweiachser, Dreiachser und Vierachser Frontlenker, die FBW und Berna Lastwagen beinahe aller Typen, die Dodge, Ford, GMC und Jeeps aller Generationen bis hinuter zum Haflinger, welche einst in grosser Zahl angeschafft wurden. Ebenso sind die M113 gepanzerten Mannschaftstransportwagen zu bestaunen, welche vor nicht allzu langer Zeit ausser Dienst gestellt wurden. Einst waren sie das Rückgrat der mechanisierten Verbände und in grosser Anzahl vorhanden. Da sind auch die Flabgeschütze oder Kanonen, vom einfachen 20mm Geschütz bis zur 35mm Drillingskanone, aufgereiht. In der nächsten Halle folgte das nächste Erstaunen. Es sind fast alle von der Armee je gefahrenen Panzer und Jagdpanzer zu sehen. Ausser dem Leopard sind alle Modelle in irgendeiner Form zu sehen. Auch einige Spezialfahrzeuge, wie der M113 als Minenwerfer oder mit einem schweren Maschinengewehr, oder einem Entpanngspanzer, bei dem man sich ein zusätzliches „S“ gerne an einer anderen Stelle in der Bezeichnung gewünscht hätte. Es ist ein Exemplar des tschechischen „Tartaruga“ oder „Praga“ zu bestaunen, welches eines der 24 Panzer in der Armee aus dem Beginn des 2. Weltkrieges ist, total restauriert und wie neu! Alle Fahrzeuge sind fahrbereit, selbst der 51 Tonnen schwere Centurion Panzer oder eine ältere Version des schweren M109 Artilleriepanzers könnten gefahren werden. Bei jedem Fahrzeug sind die entsprechenden Hinweistafeln mit erstaunlichen Angaben z.B. über den Durst der Panzer von 400 bis 700 Litern Diesel auf 100 Kilometer. Auch vom einzigen ganz in der Schweiz gefertigten Panzer 61 und 68 sind zwei Stück zu sehen. Leider waren diese Modelle nicht gerade ein Zeugnis von Schweizer Qualität, waren sie doch pannenanfällig und nicht in allen Bereichen kriegstauglich.
Die ganze riesige Sammlung ist das Werk von Martin Huber eines Privatmannes und dessen Hobby. Er war als Ingenieur langjähriger Mitarbeiter der Firma G+F und hat 1995 begonnen Armeefahrzeuge zu sammeln. Wenn der Besuch im Zeughaus ein Besuch im Kühlschrank war, so war der Besuch in den beiden G+F Hallen leider beinahe ein Besuch im „Tiefkühler“. Einige Teilnehmer hätten wohl noch etwas mehr Zeit bei den alten Fahrzeugen und Panzern verbracht, aber es war zu kalt. Alle staunten beim Ausgang über die „Wärme“, welche draussen im abendlichen Schaffhausen herrschte. Insgeheim war man zudem nicht nur über den Temperaturwechsel froh, sondern wohl auch darüber, dass all die „Geräte“ und Zerstörungsmaschinen nie im Ernstfall gebraucht worden waren.
Gerne stiegen alle in ihre Saab um zum nächsten Treffpunk zu fahren, dem Bahnhof Andelfingen. Alle fanden da einen Parkplatz und gemeinsam ging es zu Fuss zum Restaurant „Spätzlipfanne“ im Ortszentrum, wo bald ein feiner Apéro serviert wurde. Nach angeregten Gesprächen über die verschiedensten Dinge setzte man sich zur vorbereiteten Tafel und nach einer Salatvorspeise wurden sechs Sorten Spätzli aufgetischt. Es wäre müssig hier alle aufzuzählen oder zu beschreiben, man muss sie selber genossen haben! Sehr fein und erstaunlich unterschiedlich in den servierten Varianten! Ein feiner Dessert mit Kaffee rundete das sehr gelungene Abendessen ab. Nach halb elf war Aufbruch und die gute Stimmung wurde auch auf dem Weg zu den Fahzeugen mitgenommen. Ein toller Anlass, dem man noch ein paar Teilnehmer mehr gewünscht hätte. Vielen Dank den Organisatoren! Edgar Vetsch